Bericht aus dem Merkur (Onlineausgabe v. 04.12.2002)

 

Ohne Floh genauso froh
Lustig und unterhaltsam: Benefizkonzert der Tierschützer
VON ANDREAS BRETTING Starnberg - Bunte Gala-Shows im Fernsehen laufen glatt, bleiben aber an der Oberfläche. Beim Benefizkonzert für den Tierschutzverein Starnberg am Sonntag fehlte zwar die ultimative Präzision. Dafür aber ging es lustig zu - und manche der von Susi Schlicht anmoderierten Stücke gingen auch direkt ins Herz.

So war es schon beim Kinderchor der Musikschule. "Endlich ist da jemand, der ihr hilft und sie nicht alleine lässt": Dieses Stück schienen die jungen Kehlen wie für ein verlassenes Tier zu singen. Selbst der gestandene Conférencier Anton Fichtlmeier, sonst durch königlich-bayerischen Bart und kraftvolle Stimme eher unerschütterlich wirkend, vergoss ein paar Tränen. Seinen "singenden Wirt" hatte der Tierschutzvereins-Beisitzer auch gleich verpflichtet: Valerio Zamboni aus der Schongauer "Osteria Panorama" ließ mit kraftvoller Latin-Lover-Stimme sogar den Gefangenenchor aus "Nabucco" erschallen. Ein Hauch von Pavarotti wehte durch Starnberg.

Im leicht verruchten Stil einer Varieté-Show bewegte sich Andreas Münster. Ein cremeweißer Anzug wandelte den ehemaligen zweiten Vorsitzenden des Tierschutzvereins zur Reinkarnation eines Nachtclubsängers. Nach der "feschen Lola" und der "Lili Marleen" gab der hauptberufliche Banker noch in ergreifender Langsamkeit das Lieblingslied der Dietrich: "Sag mir, wo die Blumen sind". Die Welt der Operette beschwor Ulrike Zierz. Im "Schwalbenlied" glänzte die Schatzmeisterin des Starnberger Tierschutzvereins mit einer klaren Sopranstimme.

Barocke Stücke vom Bläserensemble der Musikschule ließen schon ein wenig Weihnachtsstimmung anklingen. Auch die beschwingte Gospel-Leichtigkeit der "Uli Swingers" beschwor christliche Themen. Umso irdischer dann die heiteren A-cappella-Stücke der "GmbH & Chor KG". Das hervorragende Vokalquartett provozierte vehemente Zugabeforderungen und erbrachte mit "Wega dir" den Beweis, dass man die Comedian Harmonists auch mit der Spider Murphy Gang kreuzen kann.

Für das komödiantische Highlight sorgte André Hartmann. Mit absurd überlagerten Versprechern war sein "Kanzler Schröder" ein Leckerbissen an komplex verschraubtem, trockenem Humor. Das Höchste bot wohl die kleinste Sängerin. Die neunjährige Perchaerin Xenia Wittig bezog in ihr Hunde-Lied eine ganze Bühnenshow ein: "Sowieso bin ich ohne Floh genauso froh." Tosender Applaus.

mm

Datum: 04.12.2002

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