| VON ANDREAS BRETTING Starnberg - Bunte Gala-Shows im Fernsehen
laufen glatt, bleiben aber an der Oberfläche. Beim Benefizkonzert
für den Tierschutzverein Starnberg am Sonntag fehlte zwar die
ultimative Präzision. Dafür aber ging es lustig zu - und manche
der von Susi Schlicht anmoderierten Stücke gingen auch direkt ins
Herz.
So war es schon beim Kinderchor der Musikschule. "Endlich
ist da jemand, der ihr hilft und sie nicht alleine lässt":
Dieses Stück schienen die jungen Kehlen wie für ein verlassenes
Tier zu singen. Selbst der gestandene Conférencier Anton
Fichtlmeier, sonst durch königlich-bayerischen Bart und
kraftvolle Stimme eher unerschütterlich wirkend, vergoss ein paar
Tränen. Seinen "singenden Wirt" hatte der
Tierschutzvereins-Beisitzer auch gleich verpflichtet: Valerio
Zamboni aus der Schongauer "Osteria Panorama" ließ mit
kraftvoller Latin-Lover-Stimme sogar den Gefangenenchor aus "Nabucco"
erschallen. Ein Hauch von Pavarotti wehte durch Starnberg.
Im leicht verruchten Stil einer Varieté-Show bewegte sich
Andreas Münster. Ein cremeweißer Anzug wandelte den ehemaligen
zweiten Vorsitzenden des Tierschutzvereins zur Reinkarnation eines
Nachtclubsängers. Nach der "feschen Lola" und der
"Lili Marleen" gab der hauptberufliche Banker noch in
ergreifender Langsamkeit das Lieblingslied der Dietrich: "Sag
mir, wo die Blumen sind". Die Welt der Operette beschwor
Ulrike Zierz. Im "Schwalbenlied" glänzte die
Schatzmeisterin des Starnberger Tierschutzvereins mit einer klaren
Sopranstimme.
Barocke Stücke vom Bläserensemble der Musikschule ließen
schon ein wenig Weihnachtsstimmung anklingen. Auch die beschwingte
Gospel-Leichtigkeit der "Uli Swingers" beschwor
christliche Themen. Umso irdischer dann die heiteren A-cappella-Stücke
der "GmbH & Chor KG". Das hervorragende
Vokalquartett provozierte vehemente Zugabeforderungen und
erbrachte mit "Wega dir" den Beweis, dass man die
Comedian Harmonists auch mit der Spider Murphy Gang kreuzen kann.
Für das komödiantische Highlight sorgte André Hartmann. Mit
absurd überlagerten Versprechern war sein "Kanzler Schröder"
ein Leckerbissen an komplex verschraubtem, trockenem Humor. Das Höchste
bot wohl die kleinste Sängerin. Die neunjährige Perchaerin Xenia
Wittig bezog in ihr Hunde-Lied eine ganze Bühnenshow ein:
"Sowieso bin ich ohne Floh genauso froh." Tosender
Applaus.
mm
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